Das Schulwesen in Frankreich

Die gymnasiale Oberstufe (Sekundarstufe II - Lycée) [allemand]

Am Ende der 9. Klasse (Troisième) können die Schüler ihren Schulbesuch auf einem allgemeinbildenden, technischen oder beruflichen Gymnasium fortführen. Die Schüler bereiten innerhalb von drei Jahren das Abitur vor, das den ersten akademischen Grad darstellt und zum Hochschulzugang berechtigt. Die Prüfung umfasst vorgezogene Klausuren am Ende der 11. Klasse (Première) - vor allem eine Französischklausur in allen Zweigen.

Allgemeinbildendes und technisches Gymnasium

Die Seconde (10. Klasse)

Die Seconde stellt den Realschulzyklus dar. Sie vermittelt eine Allgemeinbildung an alle Schüler und ermöglicht ihnen, neue Gebiete wie Literatur, Kunst, Wissenschaft oder Technik zu entdecken, um ihr weiteres Studium vorzubereiten.

  • Der Unterricht in den Stammfächern entspricht insgesamt 23 Std. 30 Min. und verteilt sich auf Französisch, Geschichte und Geografie, Mathematik, Physik und Chemie, Lebens- und Geowissenschaften, Sport sowie Ethik. Er umfasst zudem zwei Fremdsprachen sowie Zeit für die individuelle Betreuung.
  • Der Erkundungsunterricht umfasst 1 Std. 30 Min. pro Woche. Er ermöglicht den Schülern, neue Fächer zu entdecken, Berufstätigkeiten zu identifizieren, zu denen dieser Lernstoff führen kann und sich auf die Wahl eines Ausrichtungszweiges in der Première (11. Klasse) vorzubereiten, indem sie Informationen zu den Studienfächern des Hochschulwesens erhalten. 

Die Gymnasiasten wählen zwei verpflichtende Erkundungsfächer, davon ein wirtschaftliches. Die anderen Erkundungsfächer beinhalten:

- Unterricht mit wissenschaftlicher oder technischer Ausrichtung (Gesundheit und Soziales, Biotechnologie, Naturwissenschaften und Labor, Ingenieurwissenschaften, wissenschaftliche Methoden und Praxis, technische Kreation und Innovation, Informatik und digitale Kreation); 
- Unterricht mit literarischer Ausrichtung (Literatur und Gesellschaft, Sprache und Kultur des Altertums [Latein oder Griechisch], dritte Fremd- oder Regionalsprache);
- Unterricht mit künstlerischer Ausrichtung (künstlerische Kreation und Aktivitäten).

  • Schüler, die es wünschen, können zusätzlich zu den Erkundungsfächern freiwilligen Unterrichtwählen.

Diese Entscheidung bedingt nicht den Zugang zu einem bestimmten Ausrichtungszweig in der Oberstufe.

Oberstufenzyklus

Am Ende der Seconde kommen die Schüler in die „Oberstufe", die aus der Première (11. Klasse) und der Terminale (12. Klasse) besteht. Sie führt zum Abitur. Die Schüler spezialisieren sich zunehmend und wählen einen allgemeinbildenden oder einen technischen Zweig. In der 11. Klasse umfassen die verpflichtenden gemeinsamen Schulfächer etwa 60 % des Unterrichtsplans der Schüler. Diese Herangehensweise vereinfacht Neuorientierungen und Laufbahnkorrekturen. Darüber hinaus ermöglicht sie den Gymnasiasten, den Ausrichtungszweig während oder am Ende der 11. Klasse zu wechseln.

  • Die allgemeinbildende Ausrichtung besteht aus drei Zweigen, die zum allgemeinbildenden Abitur führen: Wirtschaft und Soziales (ES), Literatur (L) und Wissenschaft (S). Sie führt zu einem Hochschulstudium, insbesondere an der Universität, in den Vorbereitungsklassen der Elitehochschulen und an den Fachhochschulen.
  • Die technische Ausrichtung bereitet auf ein technisches Hochschulstudium vor, hauptsächlich für Berufe als Techniker an der Fachoberschule (BTS) oder am Institut Universitaire de Technologie - IUT (in zwei Jahren). Sie ermöglicht eine vertiefte Weiterbildung, die zu einem praxisorientierten Bachelor (Licence professionnelle) oder einem Ingenieur-Diplom führt. Das technische Abitur kann in acht Ausrichtungszweigen vorbereitet werden: Management und Verwaltungswissenschaften (STMG), Gesundheits- und Sozialwissenschaften (ST2S), Industriewissenschaften und nachhaltige Entwicklung (STI2D), Laborwissenschaften (STL), Design und Angewandte Kunst (STD2A), Musik und Tanz (TMD)*, Hotellerie* oder Agrarwissenschaft (STAV).
Die Zweige TMD, Hotellerie und STAV werden gesondert ab der 10. Klasse vorbereitet. Der Zweig STAV wird in Gymnasien angeboten, die zum Ministerium für Land- und Forstwirtschaft gehören.

Berufliches Gymnasium

Das berufliche Gymnasium bereitet die jungen Leute, die es aufnimmt, auf den Erwerb eines berufsqualifizierenden Abschlusses vor, um ins Berufsleben zu starten oder ein Studium zu beginnen. Der technische und berufsorientierte Unterricht umfasst 40 bis 60 % des Stundenplans eines Schülers. Er wird als Kurs in der Klasse und, abhängig von den Spezialisierungen, im Atelier, im Labor oder auf der Baustelle durchgeführt. Die allgemeinbildenden Fächer (Französisch, Mathematik, Geschichte-Geografie, Wissenschaften, Englisch) nehmen auch einen wichtigen Platz ein.

Nach der 9. Klasse (Troisième) können die Schüler, die auf ein berufliches Gymnasium gehen, ein Fachabitur oder einen Berufsqualifizierungsnachweis (CAP) vorbereiten.

  • Das Fachabitur (Bac pro) dauert drei Jahre (berufsorientierte Seconde, Première und Terminale). Es bestätigt die Fähigkeit, eine hochqualifizierte berufliche Tätigkeit innerhalb seiner 75 Spezialisierungen auszuüben. Eine Zwischenprüfung des Niveaus V (CAP) wird während des Lehrplans durchgeführt, damit jeder Schüler mindestens ein Abschlusszeugnis erhält. Obwohl die berufliche Integration das hauptsächliche Ziel der Fachabiturienten bleibt, so entwickelt sich das weiterführende Studium an der Fachhochschule (BTS) immer mehr.
  • Der Berufsqualifizierungsnachweis (CAP) wird in zwei Jahren vorbereitet. Er eröffnet den Zugang zu einem bestimmten Beruf, entweder als Facharbeiter oder als qualifizierte Fachkraft. Sein hauptsächliches Ziel ist der Direkteinstieg ins Berufsleben. Es gibt mehr als 200 Spezialisierungen des CAP.
  • Der Abschluss in Kunsthandwerk (BMA) ist für Personen mit CAP zugänglich. Es existiert in 22 Spezialisierungen und ermöglicht den Zugang zum zweijährigen Kunststudium (klassifiziert auf dem Niveau III).
Eine Berufsausbildung kann auch innerhalb einer Lehre erfolgen, die abwechselnd in der Berufsfachschule (CFA) und beim Arbeitgeber stattfindet. Die Auszubildenden haben dann den Status eines jungen Angestellten im Unternehmen und werden unter die Verantwortung eines Lehrmeisters gestellt. Sie können auch im öffentlichen Dienst angestellt werden.

Die Bezeichnung der Ausbildungsstufen

Französische KlassifikationAusbildungsstufeEntsprechung Internationale Klassifikation ISCED (*)Levels des europäischen Qualifikationsrahmens (EQR)
Niveau V Abschlusszeugnis eines weiterführenden Kurzstudiengangs, wie der Berufsqualifizierungsnachweis - CAP (Certificat d'aptitude professionnelle) 3c 3
Niveau IV Abschlusszeugnis vom Typ Fachabitur (Bas Pro) 3 4
Niveau III Abschlusszeugnis vom Typ zweijähriges Studium (Bac+2), wie der Staatlich geprüfte Techniker (BTS - Brevet de technicien supérieur) oder der Technische Universitätsabschluss (DUT - Diplôme universitaire de technologie  ) 5b 5
Niveau II Abschlusszeugnis vom Typ Bachelor, wie der praxisorientierte Bachelor 6 6
Niveau I Abschlusszeugnis vom Typ Master (wie das Ingenieurdiplom) und Promotion  6 7 und 8

(*) Die Internationale Standardklassifikation im Bildungswesen der UNESCO nennt sich im Original: „International Standard Classification of Education" (ISCED).

Letztes Update: 17 Oktober 2017
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