Das Schulwesen in Frankreich

Die Mittelschule (Sekundarstufe I / Collège) [allemand]

Nach der Grundschule werden alle Schüler ab 11 Jahren ohne Eingangsprüfung in die Bildungseinrichtung der Mittelschule (Sekundarstufe I - Collège) aufgenommen. Hauptziel der Sekundarstufe I ist, dass alle Schüler die allgemeinen Grundkenntnisse beherrschen. Sie bereitet die Schüler ebenfalls auf den weiteren Schulgang allgemeinbildender, technischer oder berufsorientierter Art vor.

Die Mittelschule (Sekundarstufe I - Collège)

Alle Schüler erhalten 26 Stunden verpflichtenden Unterricht pro Woche, die sich auf gemeinsamen Unterricht in den einzelnen Schulfächern (22 Stunden) sowie Zusatzunterricht (4 Stunden) aufteilt. Letztgenannter existiert in zwei Formen und ermöglicht, die Unterrichtsinhalte auf vielfältige Weise zu erarbeiten:

  • Die persönliche Begleitung (AP) unterstützt die Fähigkeit zu lernen und voranzukommen, indem die Eigenständigkeit der Schüler sowie verschiedene bereichsübergreifende Kompetenzen entwickelt werden;
  • Im fächerübergreifenden praktischen Unterricht (EPI) sollen die Schüler lernen, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten aufzubauen sowie zu vertiefen. Dies geschieht durch einen Projektansatz, der zu einer konkreten individuellen oder gemeinschaftlichen Umsetzung führt.

Die Aufteilung des Zusatzunterrichts wird von der jeweiligen Einrichtung festgelegt und ist abhängig von den Bedürfnissen der aufgenommenen Schüler und dem Lehrprojekt der Einrichtung. Dieser Unterricht muss für alle Schüler einer Klassenstufe gleich sein. Darüber hinaus muss jeder Schüler während seines Mittelschulbesuchs mindestens einen EPI absolviert und von einer persönlichen Begleitung während des Zyklus 4 profitiert haben. In den öffentlichen Mittelschulen wird diese Aufteilung vom Verwaltungsrat festgelegt - nach Stellungnahme durch den Lehrerrat. In den privaten Mittelschulen unter Vertrag wird sie vom Leiter der Einrichtung in Abstimmung mit den Lehrern festgelegt.

Zudem kann den Schülern Zusatzunterricht auf freiwilliger Basis angeboten werden. Er kann folgende Inhalte haben:

  • eine zweite Fremd- oder Regionalsprache in der Sixième (6. Klasse) - sogenannte „zweisprachige" Klassen;
  • ab der 6. Klasse Sprachen und Kulturen der einzelnen Regionen (LCR); 
  • ab der 7. Klasse (Cinquième) Sprachen und Kulturen des Altertums (LCA);
  • ab der 7. Klasse Unterricht zu den Sprachen und Kulturen Europas (LCE), der auf einer der erlernten Fremdsprachen basiert.

Zyklus 3 (Konsolidierung)

Die 6. Klasse füllt im Zyklus 3, dem Konsolidierungszyklus, einen besonderen Platz aus: Sie ermöglicht den Schülern, sich an den Rhythmus, die pädagogische Organisation und die Rahmenbedingungen an der Mittelschule zu gewöhnen. Sie schließt sich zugleich nahtlos an die CM1 und CM2 an. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Aufnahme der Schüler. Durch die Zusammenarbeit der Lehrer der Klasse CM2 und denjenigen der Sixième kann die Weiterentwicklung der methodischen Anforderungen konkretisiert und die Bewertungspraxis angeglichen werden. Die Schüler lernen weiterhin die Fremd- oder Regionalsprache, die sie in der Primarstufe angefangen haben. In den sogenannten „zweisprachigen" Klassen beginnen sie mit einer zweiten Fremdsprache.
Im Rahmen der bildungspolitischen Schwerpunktgebiete profitiert jeder Schüler, der in die Sixième kommt, von einer pädagogischen Begleitung, um seine Eingewöhnung an der Mittelschule leichter zu gestalten und um ihm beizubringen, seine persönlichen Aufgaben eigenständig zu bearbeiten, ob in der Klasse oder zu Hause.

Zyklus 4 (Vertiefung)

Der Zyklus 4, Vertiefungszyklus, stellt den letzten Abschnitt der für alle Schüler geltenden Schulpflicht dar: Am Ende dieses Zyklus sollen die Schüler das Wissen und die Fähigkeiten, die in den allgemeinen Grundkenntnissen definiert sind, ausreichend beherrschen, um ihren weiteren Ausbildungsweg unter guten Bedingungen fortführen zu können, egal, für welche Richtung sie sich entscheiden. Die Abstraktion gewinnt in diesem Zyklus, sowohl in Bezug auf die Kenntnisse als auch auf die Vorgehensweisen, zunehmend an Bedeutung. Die Schüler lernen nach und nach, sich in einem kritischen Geist und in Urteilsvermögen zu üben. Ziel ist es, sukzessive ihre Eigenständigkeit zu entwickeln, ob in ihren persönlichen Aufgaben, in gemeinsamen Projekten, an denen sie in der Klasse teilhaben oder in der Strukturierung von Gedanken. In der Cinquième (7. Klasse) wählen die Schüler eine zweite Fremdsprache. Darüber hinaus können sie freiwillig zusätzlichen Unterricht erhalten, in dem die Sprachen und Kulturen des Altertums (LCA), die Sprachen und Kulturen Europas (LCE) oder die Sprachen und Kulturen einzelner Regionen (LCR) behandelt werden. Der Zyklus 4 bereitet auch die ersten Orientierungsentscheidungen vor.

Auf Anfrage der Familien können die Schüler in der 9. Klasse (Troisième) von einer besonderen Unterrichtsorganisation profitieren: der „Vorbereitungsklasse auf die Berufsbildung" („prépa-pro"). Diese Möglichkeit richtet sich vor allen an Schüler, die sich erneut für den Aufbau ihres individuellen Lernvorhabens in den verschiedenen Ausbildungswegen mobilisieren wollen. Die Schüler profitieren von jährlich 216 Stunden für die Entdeckung der Berufswelt. Diese beinhalten Informationsbesuche, Beobachtungsfolgen und sogar einführende Praktika.

Schüler mit Lernschwierigkeiten zu Beginn der Mittelschule können innerhalb der Förderbereiche für allgemeinbildenden und beruflichen Unterricht (SEGPA) eine persönliche Betreuung sowie eine Anpassung der Lernrhythmen erhalten und an der beruflichen Entdeckungsreise teilnehmen. Nach dem erfolgreichen Besuch dieser Bereiche, die auf den Lehrplänen und den zu erwerbenden Kompetenzen der Mittelschule basieren, erhalten die Schüler den Hauptschulabschluss (CFG), der den Erwerb eines Teils der allgemeinen Grundkenntnisse und die Fähigkeit zur Entwicklung in einem sozialen und beruflichen Umfeld bestätigt. Einige von ihnen absolvieren sogar die Mittlere Reife (Diplôme national du Brevet - DNB).

Letztes Update: 03 Oktober 2017
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